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Quelle: LIS Landesinstitut für Schule

Die Schlachte – Bremens Uferhafen

Der Begriff „Schlachte“ stammt von dem niederdeutschen Wort „Slait“ ab und bezeichnet die pfahlwerkartigen Bauten des 13. Jahrhunderts zur Verstärkung des Weserufers als Schutz gegen Wellenschlag und Eisgang.

Die erste urkundliche Erwähnung der „Slait“ erfolgte 1250 und umfasste das Gebiet des rechten Weserufers vom Martinikirchhof bis zur Zweiten Schlachtpforte. Die Schlachte erstreckte sich somit über einen Uferstreifen von knapp 100 Metern, der bereits zu diesem Zeitpunkt von den Hansekoggen angelaufen und als Hafengelände genutzt wurde.

In den folgenden Jahrhunderten nahm der Seehandel immer mehr zu und die Schlachte erhielt bereits im 15. Jahrhundert eine hölzerne Kaianlage. Das befestigte Ufer wurde auf 400 Meter verlängert und reichte nunmehr bis zum Fangturm. Für das Entladen der an der Kaimauer liegenden Schiffe dienten ab dem 15. Jahrhundert einfache Hebelkräne, so genannte „Wippen“.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die Schlachte eine umfassende Modernisierung. Die bisherigen hölzernen Konstrukte wurden durch eine steinerne Kaimauer ersetzt. Da der neue Kai ebenfalls mit Steinen gepflastert war, konnten die Waren nunmehr mit Karren und Fuhrwerken in die Stadt gebracht werden. Entlang des Hafens entstand eine einheitliche Häuserzeile, durch die sich die Schlachte zu einem geschlossenen Hafenensemble zusammenfügte.

Aufgrund der zunehmenden Versandung und Verschlammung der Mittel- und Unterweser entstand 1618 in Vegesack ein Vorhafen, doch die Schlachte blieb weiter Bremens Haupthafen. Bis auf kleinere Veränderungen behielt der sein Aussehen und seine Funktion aus dem 16. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bei.

Die Häuser im Hafen waren in der Regel typische Bremer Kaufmannshäuser, die Wohn-, Kontor- und Lagerbereich unter einem Dach vereinten. An den Giebeln waren Kranbalken mit Seilzügen befestigt, um die Waren in die Ladeluken im Giebel zu heben.

Bereits zu dieser Zeit gab es zahlreiche Gastwirtschaften und Herbergen an der Schlachte. Die Krug- und Schankwirtschaften wurden von den Hafenarbeitern nach der Arbeit oder in den Arbeitspausen besucht und dienten ebenfalls als Treffpunkt zur Heuer. Reisende fanden hier eine günstige Übernachtungsmöglichkeit.

Da die Versandung der Weser immer weiter zunahm, wurden im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschiedene Ideen zur Vertiefung des Flusses diskutiert und vereinzelt in Angriff genommen. Letztendlich stellten jedoch alle Verfahren keine dauerhafte Lösung dar. Also griff man auf ein bereits bewährtes Mittel zurück: die Anlegung eines neuen Vorhafens an der Wesermündung. 1827 erfolgte der Bau eines neuen Hafens und die Gründung der Seestadt Bremerhaven.

Auf Grund eines gut funktionierenden Zubringerverkehrs mit den Weserkähnen, konnte die Schlachte als Seehafen überleben und Bremen als Seestadt an der Ausweitung des Handels nach Amerika teilhaben.

Dringend erforderliche Neugestaltungen der Schlachte in der Neuzeit blieben allerdings spärlich. Eine Ausweitung der Hafenanlagen war auf Grund der angrenzenden Altstadt zwar nötig, aber nicht möglich. So wurde in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Sicherheitshafen (Hohentorshafen) gebaut, der die Schlachte in ihrer Funktion ablöste. Als 1844 bis 1888 der Freihafen I auf der Stephanikirchweide (heute Europahafen) gebaut wurde, waren die Tage des Uferhafens endgültig gezählt. Die Schlachte verödete und verfiel zusehends. Erst 1899 erfolgte der Umbau des ausgedienten Hafengebietes zur Grünanlage mit Bäumen, Sträuchern, Rasen und einer Promenade am Rande des Flussufers.

Wie die Bremer Innenstadt wurde auch die Schlachte im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Die Ruinen wurden abgerissen und im Zuge des Wiederaufbaus erlebte die Schlachte eine tief greifende Veränderung. Die Trümmer des Krieges wurden einfach in die Weser geworfen und befestigt. So entstand direkt am Wasser ein neuer Uferweg, der bis 1999 beinahe unverändert blieb. Es entstanden die „Obere Schlachte“ und die „Untere Schlachte“.

Leider wurden das Weserufer und der Teerhof die folgenden Jahre eher stiefmütterlich behandelt, denn das Gebiet diente vornehmlich als Parkplatz. Erst 1980 erfolgte Bremens Rückbesinnung auf die eigene maritime Geschichte. Das Leben und Gedeihen der Stadt war über Jahrhunderte vom Wasser abhängig und man wollte an diese Tradition wieder anknüpfen. Die Expo 2000 mit ihrem Motto „Mensch-Natur-Technik“ war der Anlass für eine grundlegende Neugestaltung der Schlachte, von der die Bremer und ihre Besucher heute profitieren.